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Adventszeit anders – Spanisch lernen am See und Fuße eines Vulkans

Im 8. Türchen vom Reiseblogger Adventskalender 2014 erfährst Du mehr über meine doch etwas andere Adventszeit letztes Jahr während meiner Weltreise: mein Besuch in einer Spanisch Sprachschule und das Leben bei einer tollen Gastfamilie in San Pedro La Laguna; direkt am Lago Atitlan am Fuße vom Vulkan San Pedro in Guatemala.

Die Tage bei uns werden kürzer, es wird kälter und draußen ist es eine eher graue „Suppe“. Hatte ich letztes Jahr doch so sehr die Adventszeit in Deutschland mit den Weihnachtsmärkten, den Glühwein und vor allem der gemeinsamen Zeit mit Freunden vermisst, so denke ich in diesen Tagen aber auch umso häufiger zurück an das letzte Jahr. Das Jahr, in dem ich mir eine Auszeit gönnte und die Welt bereiste. Ich war frei und ließ mich treiben, fast vollkommen losgelöst von Zwängen und Verpflichtungen. Ein schöne Zeit 🙂

Letztes Jahr verbrachte ich die vorweihnachtliche Zeit in Guatemala. Es war der 10. Monat meiner Weltreise und ich war auch schon immerhin seit 3 Monaten in Zentralamerika unterwegs. Mein Vorhaben während meines Sabbatical und meiner Reise in Zentral- und Südamerika auch Spanisch zu lernen trug aber leider noch immer keine Früchte 🙁 Dabei waren die Anfänge so gut …Bereits am Ende meiner ersten Woche in Mexiko besuchte ich in Guadalajara, oder besser dem schöneren und kleinen Vorort Tlaquepaque, für ca. 2 Wochen ein Spanisch Sprachschule und lernte die ersten Grundlagen. Die kleine familiäre Sprachschule (Informationen am Ende des Artikels) dort wurde von einem Holländer zusammen mit seiner mexikanischen Frau aufgebaut und geleitet. Gewohnt hatte ich die erste Woche alleine und dann eine Woche in einer Familie. Zwar nicht sonderlich erfolgreich, aber immerhin mit etwas Basisvokabular reiste ich dann weiter durch Mexiko über Belize nach Guatemala. Fast 3 Monate vergingen – mein Spanisch ist aber leider eher schlechter, als besser geworden 🙁 … um die Sprache zu lernen hatte ich einfach zu wenig Kontakt mit Einheimischen oder wich automatisch auf die doch für mich leichtere Kommunikation ins Englische aus.

Das wollte ich ändern. Es kann doch nicht sein, dass ich so eine Weltsprache, die im Vergleich zu vielen anderen Sprachen auch noch recht einfach ist, nicht sprechen konnte. Nun sei allen gesagt die mich nicht kennen: ich bin alles andere als ein Sprachtalent 😉 Es musste also eher die harte Tour sein. Zu zwei in Tulum und Bacalar kennengelernten Reisenden hatte ich noch Kontakt. Sie hatten mir empfohlen, doch eine der vielen Sprachschulen am Lago Atitlan in Guatemala zu besuchen. Gesagt, getan 🙂

Blick von der Dachterrasse meinem Hostel in Antigua
Blick von der Dachterrasse meinem Hostel in Antigua

Nach ein paar Tagen in Antigua (der „Touristenhauptstadt“ in Guatemala) nahm ich einen der (meiner Meinung nach sehr unbequemen) Touristenbusse zum wundervollen Lago Atitlan. Landschaftlich wirklich traumhaft und die kleinen Orte rund um den See bieten alles, was das Herz begehrt. Ob San Pablo, San Marcos (eher für die „Alternativen“), San Pedro, Santiago Atitlan oder dem wohl größten Ort Panajachel – man hat die freie Wahl. Touristisch am weitesten erschlossen ist mit Sicherheit San Pedro direkt am Fuße vom gleichnamigen Vulkan, gefolgt von San Marcos (eher ein Örtchen für ein eher „alternatives“ Leben 😉 ). Aufgrund der doch recht schwierigen Anreise ist der Lago Atitlan eher ein Ziel für Backpacker, als für Pauschaltouristen. Gut so 🙂

Mich hatte es bei der Ankunft nach San Pedro La Laguna verschlagen. Hier wollte ich Reisebekanntschaften wieder treffen. Dieser Ort ist jedoch sehr merkwürdig und ich wusste bis zum Schluss nicht wirklich, ob er mir gefallen hat. Direkt am See gibt es einen kleinen Teil, der scheinbar ausschließlich Touristen vorenthalten ist. Hier reihen sich Hostels, Hotels, Restaurants, Bars und Cafés nahtlos aneinander. Die Preise sind für die meisten Reisenden im Vergleich zu den Preisen daheim eher günstig – für die Einheimischen jedoch unbezahlbar. So kostet ein Bier schon mal das 10fache von dem, was es drei Straßen weiter weg vom See für die Einheimischen kostet. Eine mehr als eindeutige Zweiklassengesellschaft, vor allem weil die meisten Lokalitäten für Touristen auch noch Amerikanern oder Europäern gehörten. ABER, viele Einheimische profitierten auch vom Tourismus. In dieser wirtschaftlich sehr schwachen Region also durchaus ein positiver Effekt. So entschied auch ich mich dann doch hier ein paar Tage zu bleiben und meinem Spanisch wieder etwas auf die Sprünge zu helfen.

Muss man viel zu diesem Panorama sagen? Einfach herrlich dieser See ...
Muss man viel zu diesem Panorama sagen? Einfach herrlich dieser See …

Nachdem ich mir einige Sprachschulen angesehen, mich im Internet informiert und mich anderen Backpackern gesprochen hatte, hatte ich mich für MAYAB Sprachschule (Informationen am Ende des Artikels) entschieden. Sie wurde von einen Einheimischen betrieben, hatte faire Preise, nach eigener Aussage geht das Großteil des Geldes an die Lehrer aus dem Ort, sie boten auch die Vermittlung von Familienunterkünften an und die Schüler die ich dort traf, berichteten nur Gutes. Also buchte ich auch zunächst 5 Tage mit jeweils 4 Stunden Privat-Einzelunterricht und einer Übernachtung in einer Familie im Ort; und verlängerte dann auch nach der ersten Woche um eine weitere Woche.

Mein Lehrer hieß „Roberto“ – er wurde mich von einem Bekannten empfohlen. Auch meine Unterkunft war bei Roberto und seiner Familie. Er und seine Frau sind hier am Lago Atitlan geboren und fühlten sich umgeben von Freunden und Familie auch wohl. Vor einiger Zeit hatten sie am oberen Ende von San Pedro ihr eigenes Haus gebaut. Das Erdgeschoss war fertig, die obere Etage stand jedoch seit Monaten als Baustelle da. Kein Geld da, um es fertig zu bauen. Roberto hatte studiert, aber keinen Job gefunden. Dank guter Englischkenntnisse und einer Engelsgeduld (bei Leuten wie mir unbedingt notwendig 😉 ) konnte er aber in der Sprachschule Geld für seine Familie verdienen. Seine Frau arbeitete in der Schule als Lehrerin.

Das Haus meiner Gastfamilie - die obere Etage war leider noch nicht bewohnbar
Das Haus meiner Gastfamilie – die obere Etage war leider noch nicht bewohnbar

Ich brauch glaube nicht zu erwähnen, dass der Verdienst eines Lehrers in Guatemala eher lächerlich ist. Aber es machte ihr Spaß und viele Alternativen gab es in der Region nicht. Dann gehörten zur Familie noch zwei wirklich sympathische Kinder zwischen 4 und 10 Jahren. Außer Roberto sprach niemand Englisch und auch Roberto versuchte es zu vermeiden. So war ich quasi gezwungen in Spanisch zu kommunizieren. Am Anfang sehr schwer, aber es wurde dank guter Privatstunden und enger Integration in die Familie zunehmend besser.

Frische Frucht- und Gemüsesäfte für weniger als 50 Cent ... hmmm, lecker
Frische Frucht- und Gemüsesäfte für weniger als 50 Cent … hmmm, lecker

Vormittags hatte ich meist meinen Einzelunterricht. Dazu lief ich zusammen mit Roberto ca. 20 Minuten bergab Richtung See, wo wir dann im Garten der Sprachschule die Stunden absolvierten. Mittags ging es dann wieder bergauf, wo ein leckeres Mittagessen auf uns wartete. Den Nachmittag nutzte ich meist um mir einen frisch gepressten Fruchtsaft zu holen und dabei meine Spanisch und deren erstaunlich guten Deutschkenntnisse zu vertiefen. Danach ging es meist in mein Lieblingskaffee (von Einheimischen betrieben!) um bei leckeren Kaffee aus Guatemala und Kuchen meine Hausaufgaben zu machen, im Internet zu surfen und auch um am Reiseblog zu arbeiten. Natürlich nutzte ich die Nachmittage und vor allem die Wochenenden auch, um die Gegend zu erkunden. Ob allein, mit anderen Backpackern oder Roberto und seiner Familie. So kann ich jedem nur eine Wanderung auf den Vulkan, um dort den Sonnenaufgang zu bewundern, nur empfehlen. In meinem Fall wurde dies von der Familie des Besitzers der Sprachschule organisiert und seinen Kindern durchgeführt. Echt früh ging es los, unbeschreiblich schön war aber der Anblick von oben 🙂 Die Abende verbrachte ich entweder mit anderen Reisenden oder mit meiner Gastfamilie. Einen gewissen Alltag, den ich lange Zeit nicht mehr hatte …

Vor meiner Abfahrt in das Kinderheim im Norden von Guatemala ein kleines Foto von meinem Bus.
Vor meiner Abfahrt in das Kinderheim im Norden von Guatemala ein kleines Foto von meinem Bus.

Die Tage vergingen einfach unglaublich schnell. Inzwischen hatte ich mich auch entschieden vor meiner Weiterreise nach Kolumbien für ein verlängertes Wochenende im Norden von Guatemala in einem Kinderheim auszuhelfen. Roberto und seine Frau halfen mir bei den Reisevorbereitungen. Ich hatte die beiden und die Kinder echt ins Herz geschlossen. Insgesamt war ich nur zwei Wochen da, aber jeder Tag der den Abschied näher kam, fiel mir schwerer daran zu denken.

Das Ergebnis unserer Weihnachtsbäckerei
Das Ergebnis unserer Weihnachtsbäckerei

Da Vorweihnachtszeit war, wurden auch hier in Guatemala die Wohnungen und Häuser weihnachtlich geschmückt. Insbesondere der Platz vor der Kirche war nun mehr denn je dank der Leuchtfiguren Anziehungspunkt für alle Einheimischen. Ich hatte dann als Dank an meine Gastfamilie gesagt, ich würde mit ihnen zusammen Weihnachtsplätzchen backen. Ich gebe zu, ein gewisses Eigeninteresse war da auch dabei 😉
Der Einkauf gestaltete sich doch sehr schwierig – gab es doch nicht alle Zutaten und gerade das Mehl war dann wohl die ausschlaggebende Zutat, weswegen es eben Weihnachtsplätzchen nach deutschem Rezept ala Guatemala wurden … sie waren lecker, aber irgendwie ganz anders, als ich es von daheim kannte. Wir haben den ganzen Tag zusammen gebacken und die ganze Familie war begeistert und war froh, auch etwas zurückgeben zu können.

Auch wenn eher selten, so haben wir noch immer Kontakt über Facebook. Zur Weltmeisterschaft bspw. fieberte die ganze Familie für Deutschland mit. Zum Finale hatten wir dann eine Videoschaltung – ich in Berlin auf der Fanmeile am Brandenburger Tor und Roberto und seine Familie im in Guatemala daheim in San Pedro am Lago Atitlan mit einem Deutschlandtrikot vorm Fernseher. Schon irgendwie ein schönes Gefühl 🙂

Deswegen möchte ich möchte hiermit auch liebe Grüße nach Guatemala schicken und wünsche Euch ein Frohes Fest ! 🙂

Ach, ob ich inzwischen Spanisch kann? Berechtigte Frage. Nach meiner Zeit in Guatemala, und insbesondere auch der anschließenden Reise durch Kolumbien, hat es verhältnismäßig gut geklappt – es hätte aber definitiv besser sein können. Sprachen sind einfach nicht mein Ding. Leider habe ich nun schon fast 1 Jahr kein Spansich mehr gesprochen und habe das berechtigte Gefühl alles wieder verlernt zu haben 🙁 … muss wohl noch mal an an den Lago Atitlan 😉

Eine Liste der weiteren Türchen vom Reiseblogger-Adventskalender 2014 mit interessanten Reiseberichten kannst Du bei Janett auf Teilzeitreisender.de nachlesen.

 

Informationen zur Sprachschule in Mexiko

GLC – Guadalajara Language Center
Francisco I. Madero, San Juan, San Pedro Tlaquepaque, Jalisco, México

http://www.glc.com.mx

Das ist eine recht kleine Sprachschule in Tlaquepaque (ca. 20min mit dem Bus von Guadalajara) entfernt. Zu meiner Zeit waren ein paar wenige Privatstunden und zwei kleine Gruppen. Ich hatte einen Gruppenkurs gebucht, aber war alleine und konnte somit Einzelstunden zum Gruppentarif nutzen 🙂 Die Atmosphäre ist sehr familiär und ich habe mich in der Sprachschule und der Umgebung verdammt wohl gefühlt. Uneingeschränkte Empfehlung für alle, die in Mexiko Spanisch lernen wollen.

Der Preis lag damals bei 170 EUR für eine und 290 USD für 2 Wochen Kleingruppe (max. 6 Personen) mit jeweils 20 Stunden pro Woche. Für 10 Stunden Privattraining wurden ca. 120 EUR berechnet. Die Privatunterkunft inkl. Halbpension kostete ca. 20 EUR pro Tag.

 

Informationen zur Sprachschule in Guatemala

MAYAB‘ Spanish School
San Pedro La Laguna, Guatemala

http://www.mayabspanishschool.com

Ich habe für 5 x 4h Einzelunterricht inkl. 6 Übernachtungen in einer Familie mit Halbpension damals 1.200 GTQ (ca. 110 EUR) bezahlt. Aktuell sind die Preise für den Unterricht lt. Internetseite angegeben mit ca. 65 EUR für 20 Stunden Einzelunterricht (also umgerechnet ca. 3,25 EUR pro Stunde). Das ist glaube etwas mehr, als ich bezahlt hatte, aber noch immer sehr günstig. Wie beschrieben habe ich mich rundum wohl gefühlt und kann sie uneingeschränkt empfehlen.

Geschafft - am Vulkan San Pedro oben angekommen ... was für eine geile Aussicht über den Lago Atitlan
Geschafft – am Vulkan San Pedro oben angekommen … was für eine geile Aussicht über den Lago Atitlan
Blick von San Marcos aus über den Lago Atitlan
Blick von San Marcos aus über den Lago Atitlan

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