Navigieren / suchen

Himalaya-Wanderung zum Annapurna Base Camp in Nepal im Dauerregen (Teil 3/3)

Das ist nun der letzte der drei Teile über meine Wanderung zum Annapurna Base Camp im Himalaya in Nepal – die ersten Tage findest Du hier: Himalaya-Wanderung zum Annapurna Base Camp in Nepal im Dauerregen (Teil 1/3) und hier: Himalaya-Wanderung zum Annapurna Base Camp in Nepal im Dauerregen (Teil 2/3)

Heiße Quelle als Belohnung am Etappenziel (Tag 8)

… von Sinuwa zu den Hot Springs

Da wir auf dem Hinweg ein paar Sachen hier "zwischengelagert" hatten, hieß es nun wieder die Rucksäcke umpacken.
Da wir auf dem Hinweg ein paar Sachen hier „zwischengelagert“ hatten, hieß es nun wieder die Rucksäcke umpacken.

Tag in Stichpunkten:

  • Regina wollte erneut nicht aufstehen und somit verspäteter Start (gegen 9 Uhr)
  • langer Abstieg und noch längerer Anstieg nach Chamwrong (viele Treppen); ca. 2,5h
  • neuen treuen Begleiter (Carlos) „gefunden“
  • Mittagessen und Mitnahme unserer zwischengelagerten Sachen
  • Abstieg zur Hot Spring Lodge (dort geduscht und gewartet bis kein Regen mehr war)
  • 20min Abstieg in Flip-Flops (leichtsinnig) zu den angenehmen (aber kälter als erwarteten) Pool (50 Rupies Eintritt)
  • ca. 1h im Pool mit „Unterwasserfotos“; Aufstieg dann mit vielen Blutegeln … danach leckeres Abendessen (erstes Mal Dal Bhaht für mich)

Irgendwie war es zu erwarten – der Tiefpunkt in Reginas Motivation war wohl doch am Vortag noch nicht erreicht. 🙁 Heute wollte sie so gar nicht aufstehen und hat es glaube erst 90 Minuten nach allen anderen aus dem Bett geschafft. Das Wetter (weiterhin nur Regen) und das Wissen ueber den heutigen Abschnitt waren aber auch nicht gerade foerderlich. Diana fuehlte sich – entgegen den Vortagen – eigentlich recht fit. Sie hatte komischerweise morgens und abends immer gesundheitliche Probleme, rannte aber tagsüber wie besessen den Berg auf und ab. Das musste keiner verstehen – ich verstand es jedenfalls nicht! 😉

Kleiner Zwischenstopp zum Sammeln - jeder konnte sein Tempo laufen und dann hieß es immer mal wieder zwischen durch "sammeln"
Kleiner Zwischenstopp zum Sammeln – jeder konnte sein Tempo laufen und dann hieß es immer mal wieder zwischen durch „sammeln“

Unser heutiger Tag war aber besonders – zumindest das Ziel. Denn worauf freut mich sich am Meisten wenn es nass und kalt draußen ist? Richtig, auf ein heißes Bad. Das versprach unser heutiges Tagesziel; wir wollten zu den Hot Springs. Das sind natürlich heiße Quellen. Die Vorfreude darauf war bei uns allen riesig. Jedoch mussten natürlich bis dahin noch so einige Auf- und Abstiege überwunden werden. Genauer gesagt standen uns nun schon die lange gefürchteten Stufen von Chamwrong bevor. Was wir an Tag 4 noch fröhlich hinunter gelaufen sind, mussten wir heute leider wieder hoch. Und wie es der Zufall wollte, hatten wir heute auch noch „Glück“ mit dem Wetter. Nur anfangs Regen und danach Sonne satt … eigentlich für den Aufstieg schon wieder zu viel. Aber wir wollen uns mal nicht beschweren. Den Aufstieg nach Chamwrong haben wir alle getrennt absolviert – hier musste jeder alleine durch und mit sich kämpfen. Ich kann Euch sagen, ich habe auch ordentlich gekämpft. Unterstützt wurde ich dabei von einem scheinbar herrenlosen Hund (später den Namen Carlos gegeben). Der ist die ganze Zeit neben mir her gelaufen und wenn ich Pause machen wollte, hat er mir verstehen zu geben, dass ich weiter soll – eine echte Motivationshilfe. Als ich die Stufen dann endlich erklommen und die Hütte in Sinuwa erreicht hatte, habe ich nicht nur mich, sondern auch ihn mit was zu trinken und essen belohnt. Ich glaube darauf hat er spekuliert 😉 Dadurch hatte ich nun aber für die restlichen Tage meinen treuen Begleiter. Er folgte mir und der Gruppe auf Schritt und Tritt und hat sogar vor der Tür übernachtet.

In Chamwrong war erst mal Treffpunkt. Zum einen hatten wir den schwersten Teil nun hinter uns und dann sind wir in unterschiedlichem Tempo hinauf gelaufen. Uriel ist gar ein paar Meter (laut seiner Aussage Kilometer) den Berg hinauf, weil er den Abzweig verpasst hatte. War angeblich schlecht ausgeschildert – komisch nur, dass sich sonst keiner verlaufen hat 😉 Außerdem mussten wir hier Halt machen, da wir ja am vierten Tag hier einige Sachen zurück gelassen hatte. Diese mussten nun wieder in den Rucksack. Auch wenn keine Mittagspause hier geplant war, so verweilten wir doch einige Zeit.

Der weitere Weg zu den Hot Springs war sehr einfach und ging eigentlich nur bergab. Dort angekommen haben wir die wirklich sehr schöne (aber auch teuerste Unterkunft – dafür aber mit heißer Dusche) bezogen. Da es leicht mit Regnen anfing, hatten wir den Abstieg zu den Naturquellen noch etwas verschoben. Ich habe die Zeit genutzt und meine Jonglierkünste zu vertiefen. Am dritten Tag hat Uriel es mir beigebracht und wenn auch nicht perfekt, so konnte ich immerhin nach knapp einer Stunde üben mit 3 Bällen jonglieren … über 8 „Runden“ bin ich aber nicht hinaus gekommen. Aber Übung macht den Meister 😉

Dann war es so weit – wir machten uns auf den Weg zu den Hot Springs. Wenn wir allerdings gewusst hätten welcher Weg uns erwartet, hätten wir anders Schuhwerk angezogen. Losgezogen sind wir nämlich mit Flip-Flops. Der Weg war dafür jedoch nicht geeignet. War eigentlich ein normaler Wanderweg und durch den vorherigen Regen ziemlich rutschig. Ein Sturz hätte gerade noch gefehlt – auf über 4000 Hm gewandert und dann ein sinnloser Sturz mit Flip-Flops auf dem Weg zu den Quellen. Aber es ist nichts passiert – weder beim Auf- noch beim Abstieg. Jedoch ein weiteres Problem von Flip-Flops: Blutegel haben leichtes Spiel. Und davon gab es hier reichlich. Die Kälte und die Höhe der letzten Tage hatte Ihre Vorzüge – es gab nämlich kaum oder teilweise keine Blutegel. Aber hier waren sie wieder und sie haben sich auch an unseren Füßen satt gesaugt.

Der Erholung in der Quelle tat das jedoch keinen Abbruch. Auch wenn wir uns das etwas naturnaher und spektakulärer vorgestellt hatten, haben wir es dennoch genossen. Das tat gut und zum ersten Mal seit den letzten Tagen war pure Entspannung in den Gesichtern aller. Die 50 NPR Eintritt haben sich gelohnt. Ein tolles Essen hat den Abend perfekt gemacht. Ich habe ersten Mal Dal Bhat (einfaches und günstiges Essen in Südostasien, was hier in Nepal fast überall serviert wird; und meist „all-you-can-eat“) gegessen. Lecker !

 

Etappe aufgrund Schwächeanfall gekürzt (Tag 9)

… von den Hot Springs nach Tolka (geplant Pothana)

Leider sind unsere Sachen in den Regentagen zuvor nass geworden - hier ist der Versuch ein Kartenspiel zu retten und die Sonne zum Trocknen zu nutzen.
Leider sind unsere Sachen in den Regentagen zuvor nass geworden – hier ist der Versuch ein Kartenspiel zu retten und die Sonne zum Trocknen zu nutzen.

Tag in Stichpunkten:

  • 6:30 Uhr Frühstück und 7:15 Uhr Abmarsch waren geplant (mal wieder nicht eingehalten)
  • Uriell die große Spinne in unserem Zimmer gezeigt
  • Aufschrei von Regina als sie eine winzige Spinne im Schuh sah
  • kurze steile Anstiege und sonst nepali-flat
  • sehr warm
  • unglaublich viele Blutegel (Aman hat uns einen „Salzstock“ gebastelt)!
  • WLAN beim Mittagessen
  • Diana fühlte sich krank -> früher gestoppt als geplant (Tolka)
  • schöne Unterkunft mit toller Aussicht, leckerer Pizza, warmer Dusche und Handtücher

Eigentlich das Schlimmste was auf so einer Gruppenwanderung passieren kann, ist ein Unfall oder eine Erkrankung. Leider sind wir davon nicht ganz verschont geblieben. Zunächst begann der Morgen aber wie immer – die vorgegebene Zeiten für Frühstück und Abmarsch wurden wie immer nicht eingehalten. Mir bis heute nicht begreiflich, was daran so schwer war – aber es war vor allem für die Mädels scheinbar unlösbar. 🙁

Das war eine kleine Überraschung im Raum: haben abends das Zimmer betreten und da saß das handflächengroße Exemplar von Spinne. Im Interesse der Nachtruhe beschloss ich das zu verschweigen, hoffte schnell einzuschlafen und ohne Spinne im Bett aufzuwachen und zeigte das Foto meinem Mitbewohner erst am nächsten Morgen.
Das war eine kleine Überraschung im Raum: kleiner Mitbewohner

Die Wartezeit gab mir aber die Gelegenheit Uriel (wir hatten ein DZ geteilt) unseren Mitbewohner zu zeigen. Was ich ihm am Vorabend nämlich verschwiegen hatte, war ein riesige Spinne in unserem Zimmer. Diese hatte ich entdeckt als wir nach dem Essen ins Zimmer kamen. Jedoch war sie definitiv zu groß für mich sie irgendwie aus dem Zimmer zu befördern (passte ja in kein Glas und nichts). Uriel hatte an einem der Vorabende schon geäußert kein Freund von Spinnen zu sein. So hatte ich die Möglichkeit es ihm zu sagen und dann mit Sicherheit nicht schlafen zu können, denn es war zu spät das Zimmer zu wechseln und er hätte wohl keine Ruhe gegeben oder ich verschweig es einfach. Er hat sie nicht gesehen, da er ins Bad ist und als er raus kam, ist sie irgendwo im Zimmer verschwunden. Als ich dann im Bett lag war es eine Mischung aus Lachen und Bangen. Ich stellte mir vor was passiert, wenn sie in sein Bett oder in Bett krabbelt. Um die Vorstellung (gemischt aus Schadenfreude und Angst) schnell zu vergessen versuchte ich schnell einzuschlafen – das hat auch gut geklappt. Das Foto am nächsten Morgen führte zu einem kleinen Aufschrei bei den Mädels und Regina war wohl so geschockt von dem Bild, dass sie schreiend und heulend durch die Gegend gerannt ist, als sie versuchte ihren Schuh anzuziehen. Man hätte meinen können die Riesenspinne wäre darin gewesen – stattdessen war eine winzige, keinen Fingernagel große Spinne. Sehr lustig – fanden alle herum, Regina jedoch nicht 😉

Aber irgendwann haben auch wir es mal wieder geschafft uns in Bewegung zu setzen. Bevor es los ging, hat Aman (unser Guide) uns noch einen Stock mit einem kleinen Salzsäckchen dran gegeben. Eine seeeeeehr gute Idee. Blutegel mögen nämlich kein Salz und fallen dann mehr oder weniger von alleine ab. Deswegen hatte ich mich auch mit einem kleinen Säckchen Salz eingedeckt. Mit dem Stock war es aber wesentlich einfacher die wirklich verdammt vielen Blutegel von einem zu halten bzw. vom Schuh / Bein zu bekommen. Da es so viele waren, sind wir dann sogar dazu über gegangen unsere Schuhe komplett mit Salz einzureiben. Das half, war aber auch keine 100%ige Lösung …

Den kurzen sehr steilen Anstieg und das größtenteils nepali-flat (die ersten Tage hätten wir noch klar vom Anstieg gesprochen – nun war es eher nepali-flat) meisterten wir. Bis zur Mittagspause … Hier zeigte sich dann die Erschöpfung bei Diana. Sie kam noch freudestrahlend an und ist dann beim Warten auf das Essen am Tisch eingeschlafen. Sie konnte nicht mehr und war sichtlich erschöpft. Die Sachen aus ihrem Rucksack haben unser Guide Aman und ich auf unsere Rucksäcke verteilt und sind dann weiter. Das ging jedoch nicht sehr lange und Diana ist zusammen gebrochen. Was nun? Ratlosigkeit – waren wir doch noch weit außerhalb von Straßen. Aman machte den Vorschlag ein Esel zu holen und Diana damit dann zur Straße zu bringen. Irgendwie wollte sie das nicht. Sie wollte ernsthaft im Wald einfach liegen bleiben. Nach langen Diskussionen war sie dann doch vernünftig. Die Eselvariante fiel bei ihr aus und sie meinte die Kraft reiche bis zum nächsten Dorf. So änderten wir den Plan und wanderten anstatt bis nach Pothana nur bis Tolka. Regina und Uriel hatten vom „Zusammenbruch“ nichts mitbekommen – war Regina sonst meist hinten in der Gruppe, war sie heute sehr gut drauf und ist mir Uriel vorne weg gelaufen. Das bedeute für mich schnellen Schrittes den Weg entlang und sie versuchen einzuholen.

In der wirklich wunderschönen Unterkunft in Tolka hatten wir einen sehr gemütlichen Nachmittag. Ich habe mal wieder meine Jonglierkünste versucht zu verbessern und sonst stand Lesen, Ausruhen, Fotografieren, Nichts-Tun, Essen und Trinken auf dem Programm. Belohnt wurden wir auch noch mit fantastischem Wetter und zum ersten Mal seit unserer Ankunft in Nepal, und vor allem unserer Wandertour hier im Annapurna / Himalaya, mit einer tollen Sicht auf 8000er Berge. Wahnsinn! Diana konnte die Aussicht nicht genießen, hat sich dafür aber „gesund“ geschlafen.

Kommentare

nathalie
Antworten

Ein sehr schöner Bericht Tino… man hatte das Gefühl beim lesen, es fast so mitzuerleben wie es beschrieben wurde 🙂 also die spinne hättest du mir auch nicht zeigen dürfen. die Nacht wäre definitiv vorbei… LG nat

Tino
Antworten

Schön, dass er Dir gefallen hat – war irgendwie (zu) viel Text, aber auch schwierig sich bei den vielen Erlebnisse kurz zu fassen. Da fallen mir so einige ein, denen ich die Spinne nicht hätte zeigen dürfen – aber mir war beim Einschlafen auch nicht so ohne und die Vorstellung sie würde noch vorm Einschlafen über mich krabbeln oder sie ist am Morgen in meinem Schlafsack machten das Einschlafen hart 😉

nathalie
Antworten

ja, wer weiß wo sie nachts überall war 🙂 (hoffe nur, du hast sie nicht ausversehen mit eingepackt – da sie ja am nächsten Tag angeblich weg war). bei so einem ausflug muss man einfach viel text schreiben und wie gesagt – es war gut geschrieben und bestens zu lesen. Dann mal viel Erfolg bei Deiner nächsten Etappe Lateinamerika – bin wie immer, sehr gespannt 🙂

Tino
Antworten

… wir hatten auch vermutet sie sei in einem unserer Rucksäcke … aber nichts entdeckt. Vielleicht hatte sie sich auch nur sehr gut versteckt 😉

Hinterlasse einen Kommentar

Name*

E-Mail* (wird nicht veröffentlicht)

Webseite

Folge mir auf Facebook !schliessen
oeffnen