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Himalaya-Wanderung zum Annapurna Base Camp in Nepal im Dauerregen (Teil 3/3)

Bisher unbekannte Motivationsausprüche (Tag 10)

… von Tolka nach Kande (geplant Phedi)

Unglaublich, aber die Tatsache, dass wir den letzten Tag vor uns hatten, brachte bei dem/der ein oder anderen bisher nicht erlebte Energieschübe zum Vorschein
Unglaublich, aber die Tatsache, dass wir den letzten Tag vor uns hatten, brachte bei dem/der ein oder anderen bisher nicht erlebte Energieschübe zum Vorschein

Tag in Stichpunkten:

  • entschieden anstatt von Tolka nach Phedi (5-6h) nach Kande (2,5h) zu laufen … 700 Rupies mehr für den Jeep
  • Gepäck von Diana getragen – Diana lief mit FlipFlops
  • Diana hatte Blutegel in der Wunde
  • erschöpft, aber zufrieden das Ziel erreicht
  • mit Kleinbus zurück nach Pokhara gefahren

So hatte ich unsere Gruppe zuletzt am Tag vor dem Aufbruch zur Wanderung erlebt: verdammt gute Laune bei allen und absolute Motivation. Die Grund hierfür war zwar auch das sehr gute Wetter und die fantastische Aussicht, aber vor allem leider die Tatsache, dass es schon der letzte Tag war. Fand ich eigentlich schade, machte es doch jetzt bei dem guten Wetter doppelt so viel Spaß. Noch mal umkehren und bei gutem Wetter zum Base Camp? Aber was ist, wenn es oben auch wieder schlecht ist? Kurz hatte ich tatsächlich überlegt es zu probieren – den Weg kannte ich nun ja. Aber dann habe ich auch ziemlich schnell de Gedanken wieder verworfen und mich wie die anderen auf ein ordentliches Bett, anderes Essen und eine heiße Dusche gefreut.

Das ist doch mal eine schöne Aufnahme eines dieser tollen Blutegel vor meinem Finger. So klein und verdammt wendig und schnell erklimmen sie den Schuh und finden den Weg das Bein hinauf oder in den Schuh ... dann können sie verdammt dick und eklig werden.
Das ist doch mal eine schöne Aufnahme eines dieser tollen Blutegel vor meinem Finger. So klein und verdammt wendig und schnell erklimmen sie den Schuh und finden den Weg das Bein hinauf oder in den Schuh … dann können sie verdammt dick und eklig werden.

Den sonnigen Nachmittag zuvor nutzten wir alle um unsere Kleidung zu trocknen und was nicht trocken wurde, trocknete über Nacht – denn es hatte tatsächlich mal nicht geregnet 😉 Unsere Sachen hatten wir ziemlich pünktlich gepackt und waren abmarschbereit. Nachdem der gestrige Tag uns nur bis Tolka führte und die Mehrheit in der Gruppe für einen möglichst schnellen Abstieg war, führte uns unser Weg heute nur bis nach Kande. Hier sollten wir dann von einem Kleinbus abgeholt werden. Hatte anfangs noch das Sparen dafür gesprochen mit dem öffentlichen Bus zurück zu fahren, so wurde nun etwas gefeilscht und dann doch mehr bezahlt und die bequemere Variante mit einem Privatshuttle gewählt … wir hatten es uns ja verdient 😉

Diana ging es gesundheitlich schon wieder besser, allerdings hatte sie zwei große Wunden an ihren Füßen. Das veranlasste sie leider in FlipFlops anstatt in Ihrem Wanderschuhen den Abstieg in Angriff zu nehmen. In meinen Augen falsch, aber hier war ich machtlos … was möglich war, hatte ich – wie am Vortag auch – mit meinem Verbandszeug noch versucht abzudecken. Das hielt aber nicht wirklich lange und gut. Ihre nun blutigen Füße waren ein gefundenes Fressen für die Blutegel. Wo bei uns noch Schuh und Strumpf schützten, war bei ihr ja nichts weiter. Es kam aber wie es kommen musste: in ihrer blutigen Blase am Fuß hatte sich ein Blutegel eingenistet. Zumindest sah alles danach aus und war ziemlich eklig. Bis zum Schluss waren wir nicht sicher, ob es Dreck oder ein Blutegel ist. Sie hat es durchgezogen – die Vorfreude auf das Tal war wohl ziemlich groß bei ihr.

Um den Abstieg für Diana etwas zu erleichtern und die Laufgeschwindigkeit etwas zu erhöhen, habe ich Dianas Rucksack getragen und Aman hat versucht sie zu stützen. Das klappte eigentlich ganz gut. Zum Ende hin ließen ihre Kräfte aber immer mehr nach. Und dann war es aber so weit – wir hatten es geschafft. Größtenteils erschöpft, aber verdammt glücklich haben wir die Straße erreicht. Unseren treuen Begleiter Carlos (der Hund, der uns nun den dritten Tag begleitete) haben Regina und ich noch mit leckeren Brötchen (oder so was ähnliches) belohnt, dann wurde das „Zielfoto“ geschossen und dann ging es auch schon zurück nach Pokhara wo wir dann die nächsten Tage verbracht hatten.

 

Mein ganz persönliches Fazit dieser Wanderung zum Annapurna Base Camp (Mitte Juni 2013)

Die Wanderung zum Annapurna Base Camp im Himalaya in Nepal (auch A.B.C. genannt) ist verhältnismäßig einfach bis mittel-schwer. Verlaufen kann man sich im Prinzip nicht Man braucht keine besondere Ausrüstung oder Erfahrung. Wetterabhängig sind Turnschuhe teilweise ausreichend; ich würde jedoch dringend davon abraten und ordentliche Wanderschuhe nahe legen. Die Wanderung kann in Abhängigkeit von der eigenen Kondition kürzer oder länger gestaltet werden; im Schnitt braucht man für die Tour die wir machten zwischen 6 und 12 Tage. Nicht zu verachten ist aber die Höhenkrankheit – hier haben doch einige so Ihre Probleme und je schneller man aufsteigt, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass man damit Probleme bekommt.

Man kann in diesem Gebiet im Juni (sicher auch Juli und August) problemlos eine Wanderung machen. Jedoch darf man nicht erwarten, dass man tatsächlich auch eine gute Sicht hat und sollte sogar einplanen gar keine Berge zu sehen. Hinzu kommt – wie bei uns – die hohe Wahrscheinlichkeit im Regen zu wandern. Das ist keinesfalls ein Vergnügen wenn es länger anhält und es in der Höhe auch immer kälter wird. Mein Mittel gegen Erkältung und Erschöpfung war Honey-Ginger-Lemon-Tea … frag nicht wie viel ich davon über den Tag verteilt getrunken habe. Verdammt lecker! Ebenfalls sollte man sich auf unglaublich viele Blutegel auf dem Weg – und somit auch am Körper – gefasst machen (die im Grunde ja aber nicht weiter schlimm sind; Tipp: Salz einpacken – damit fallen sie von alleine wieder ab).

Entscheidet man sich in der Hauptreisezeit September bis November für diese Region kann man sich über eine atemberaubende Sicht auf das Himalaya Gebirge in Nepal freuen – muss diese aber mit unglaublich vielen weiteren Wanderern teilen. Wie wir auf Fotos gesehen und von anderen gehört haben, kann es schon sein, dass die unglaublich vielen Gästehäuser alle ausgebucht sind und man im Schneckentempo hintereinander hinauf klettert … so was ist definitiv nicht meine Vorstellung von einer Wanderung ! Ich würde also in jedem Fall eine Wanderung in der Nebensaison vorziehen – Wetter ist dann aber Glücksache. Da mir persönlich die ganze Region bzw. Route zu touristisch ist, würde ich beim nächsten Mal auf andere Regionen ausweichen. Wer Zeit hat, dem würde ich in den Sommermonaten die Mustang-Region empfehlen … habe viel Gutes darüber gehört und gelesen, aber leider nicht erlebt.

Dennoch habe ich keinesfalls die Wahl für die Annapurna-Wanderung nicht bereut, denn ich habe so nette Menschen kennengelernt zu denen der Kontakt hoffentlich etwas länger erhalten bleibt ! In Kalifornien habe ich diese Tage erst Emily besucht und ein paar schöne Tage hier gehabt …

Kommentare

nathalie
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Ein sehr schöner Bericht Tino… man hatte das Gefühl beim lesen, es fast so mitzuerleben wie es beschrieben wurde 🙂 also die spinne hättest du mir auch nicht zeigen dürfen. die Nacht wäre definitiv vorbei… LG nat

Tino
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Schön, dass er Dir gefallen hat – war irgendwie (zu) viel Text, aber auch schwierig sich bei den vielen Erlebnisse kurz zu fassen. Da fallen mir so einige ein, denen ich die Spinne nicht hätte zeigen dürfen – aber mir war beim Einschlafen auch nicht so ohne und die Vorstellung sie würde noch vorm Einschlafen über mich krabbeln oder sie ist am Morgen in meinem Schlafsack machten das Einschlafen hart 😉

nathalie
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ja, wer weiß wo sie nachts überall war 🙂 (hoffe nur, du hast sie nicht ausversehen mit eingepackt – da sie ja am nächsten Tag angeblich weg war). bei so einem ausflug muss man einfach viel text schreiben und wie gesagt – es war gut geschrieben und bestens zu lesen. Dann mal viel Erfolg bei Deiner nächsten Etappe Lateinamerika – bin wie immer, sehr gespannt 🙂

Tino
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… wir hatten auch vermutet sie sei in einem unserer Rucksäcke … aber nichts entdeckt. Vielleicht hatte sie sich auch nur sehr gut versteckt 😉

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