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Tag 2: Kemptner Hütte – Rappensee – Enzianhütte (oder auch nicht)

Normalerweise habe ich mit dem Schlafen kein Problem: schlafe schnell ein und wenn ich schlafe, kann mich so gut wie nichts stören – nicht aber in dieser Nacht … Irgendwie hatte ich das Gefühl mehrfach wach gewesen zu sein und ich fühlte mich auch alles andere als ausgeschlafen am Morgen. In der Nacht musste ich sogar diese einzige Toilette auf dem Stockwerk besuchen – klar, die 2 Liter Radler vom Abend wollten eben auch irgendwann raus. Nun gut, die Nacht war rum und ein toller Wandertag auf dem Heilbronner Weg stand vor uns. Aber was war das???? REGEN !!!. Die Stimmung im Matratzenlager war auch schon mal besser. Aber noch überwog die Hoffnung ganz nach dem Motto „gestern hat’s auch erst geregnet und dann hatten wir super Wetter“. Also ab in den Waschraum, Katzenwäsche und Zähneputzen mit Eiswasser und runter zum Frühstück. Dort wurden wir dann aber schnell von der Realität eingeholt …

Oberstdorf 2012: Schild an der Kemptner Hütte
Schild an der Kemptner Hütte

… die Realität über das aktuelle Wetter und die Prognosen. Viele informierten sich beim Hüttenwirt über mögliche Touren und wurden – so auch wir – ernüchtert darauf hingewiesen, dass man wohl besser absteigen oder in der Hütte bleiben sollte. Bei uns gab es nun lange Diskussionen über die 3 Möglichkeiten:

  • den geplanten Heilbronner Weg entlang mit seinen schwierigen Passagen und nach ca. 7h dann unser Ziel der Enzianhütte erreichen,
  • eine Alternative mit Abstieg in Richtung Österreich und dann wieder Aufstieg und auch letztendlich zum geplanten Ziel der Enzianhütte (vom Wirt mit mind. 8 eher 9 Stunden angegeben) oder
  • wie vom Wirt empfohlen der Abstieg nach Oberstdorf, dann mit dem Bus nach Birgsau und von dort Aufstieg zu unserem Ziel der Enzianhütte

… alles nicht so toll, wenn man die ungenauen Wettervorhersagen im Kopf hatte und auch noch nach Außen blickte. Der kräftig gelbe Blitz auf dem Zettel mit der Wettervorhersage für diesen Tag wollte auch nicht so richtig aus unseren Köpfen.

Nach einem Blick ins Hüttenbuch dann die Entscheidung: ja, wir gehen den Heilbronner Weg und notfalls kehren wir wieder um oder gehen zum Waltenberger Haus (ca. auf der Hälfte des Weges). Warum nach einem Blick in das Hüttenbuch? Eine weitere Gruppe wollte Richtung Rappensee Haus (lag auf unserem Weg und ca. 1 Stunde vor unserem eigentlichen Etappenziel). Sachen gepackt, regenfest angezogen und trotz allem motiviert starteten wir hinauf zur Scharte.

Oberstdorf 2012: schlechtes Wetter - wir starten zum Heilbronner Weg
Bei schlechtem Wetter starten wir von der Kemptner Hütte zum Heilbronner Weg

Schon auf den ersten Metern merkten wir: „schön ist definitiv anders“ … aber die Hoffnung auf einen regenfreien Tag ab Mittag oder sogar Sonne am Nachmittag beflügelten uns. Gefühlte 4 Stunden – tatsächliche 2 Stunden – sind wir brav hintereinander den Weg entlang oder besser hinauf gelaufen, haben die ersten Kletterpassagen (spezielle Ausrüstung nicht notwendig) überwunden und waren alle trotz teurer Funktionsbekleidung durchnässt … ob eher von innen (Schweiß) oder außen (Regen) waren wir uns nicht sicher – spielte aber auch keine Rolle: nass ist nass 😉
Nun erreichten wir auch die ersten größeren Schnee-/Eisfelder. Es wurde zunehmend kälter und wir stellten uns eigentlich alle die Frage: „ziehe ich mir noch warme und trockene Sachen an?“ Keiner von uns hat es getan – die Hoffnung auf baldige Regenfreiheit brachte die Entscheidung mit dies später erst zu tun. Handschuhe – leider Fehlanzeige 🙁 Bei mir gar nicht im Gepäck (passiert mir sicher nicht noch mal!) – bei manch anderem irgendwo im Rucksack (bei Kälte und Regen unauffindbar) vergraben. Es hieß also durchhalten, frieren und weiter laufen … „es wird sicher bald besser …“. Und, auf der Enzianhütte wartet ganz bestimmt eine warme Dusche und gutes Essen auf uns !

Inzwischen waren wir eigentlich nur noch auf Eis unterwegs. Rote Zeichen an der ein oder anderen Stelle und vor allem Fußspuren vom Vortag wiesen uns den Weg. So ganz geheuer war uns der Weg aber inzwischen schon nicht mehr. An immer mehr Stellen im Schnee gab es mehr oder weniger tiefe Löcher und Trittsicherheit auf Schnee und Eis ist auch so eine Sache. Von Kälte und Nässe brauche ich glaube nichts weiter zu erwähnen … Die Hoffnung auf besseres Wetter schwand nach und nach – angetrieben wurden wir eigentlich nur noch vom Wissen, dass die andere Gruppe hinter uns war (haben sie immer mal wieder hinter uns gesehen).

Plötzlich sind wir aber an eine Stelle gekommen, wo keine Spuren oder Markierungen mehr zu sehen waren – wir alleine im Schnee … „na toll“. Und dann kam auch noch eine Wolke und wir standen im weißen NICHTS. Was nun? Ratlosigkeit und eigentlich wenig Alternativen. Die andere Gruppe hatte inzwischen zu uns aufgeschlossen. Nun passierte es, was auf Schnee/Eis jeder befürchtet hatte: einer aus der anderen Gruppe rutschte aus und stürzte (oder besser rutschte) einige Meter den Schnee hinunter in eine Senke. Spätestens jetzt wurde dem Letzten etwas anders. Kein Wissen über den richtigen Weg, Kälte, durchnässte Kleidung, mittlerweile wenig Hoffnung auf besseres Wetter und noch mind. 4 Stunden teilweise anspruchsvollere Passagen als bisher auf dem Weg haben uns dann zur Entscheidung gebracht: Wir kehren um ! … keine leichte Entscheidung, aber definitiv die Richtige! Die andere Gruppe tat es uns gleich. Der „Abstürzende“ war inzwischen wieder nach oben gekommen und erklärte es wäre Absicht da er den Weg unten rum testen wollte. Glaube wer will – mit ihm da lang wollte aber Keiner …

Den vor uns liegenden Weg kannten wir nun ja und der Drang zurück zur Hütte war nun recht groß. Wir freuten uns auf eine warme Dusche, trockene Sachen und etwas zu Essen. Wir brauchten auch nicht wirklich lange und hatten auch keine weiteren Probleme. Was allerdings bei uns allen bis in die frühen Abendstunden war: unsere Hände waren sehr stark angeschwollen. Warum? Hatte es mit der Höhe oder Kälte zu tun? Aber beim Skifahrern passiert das doch auch nicht. Wir hatten und haben keine Erklärung dafür. War aber merkwürdig und schränkte die Bewegung stark ein (brauchten die Hände aber zumindest beim Wandern kaum).
In der Kemptner Hütte angekommen kam dann die Ernüchterung: ohne Sonne kein warmes Wasser! Das bedeutete wieder Eis- anstatt Wohlfühldusche 🙁 … na toll, wieder ungewolllte Hautstraffungen … Aber wir waren dennoch froh wieder einen Übernachtungsplatz bekommen zu haben. Die Alternative wären weitere 2 Stunden Abstieg nach Oberstdorf … nicht besonders interessant.

6nimmt! Das perfekte Kartenspiel für Hüttenabende (von Amigo)
Mensch ärgere Dich nicht – der Klassiker auch für 6 Personen / Spieler

Also duschen – oder auch nur Katzenwäsche – und dann gemeinsam den Nachmittag und Abend gemütlich am Tisch verbracht. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal „Mensch ärgere Dich nicht“ gespielt habe … und eines für 6 Personen glaube ich noch nie. Wir haben es in den fast 6 Stunden gerade mal zu zwei Runden geschafft – wir hatten einen super Spaß, hatte ich anfangs nicht gedacht. Gegessen und getrunken haben wir zwischenzeitlich natürlich auch das ein oder andere. Leider gab es auch an diesem Tag kein Tagesmenü … das Essen war ok, aber auch nicht gerade umwerfend. Am Tag zuvor hat der Koch oder die Köchin wohl Zucker mit Salz bei allen Essen verwechselt. Schneller als wir gucken konnten war es 22 Uhr und mit deutlichen Zeichen wurde die Nachtruhe eingeleitet. Nun war auch der zweite Tag unseres Wanderwochenendes vorüber. Wieder einmal hat sich für mich aber am heutigen Tage gezeigt:

… in einer Gruppe mit den richtigen Leuten kann man durch dick und dünn gehen, sich aufeinander verlassen, jedes Problem gemeinsam meistern und dabei sogar noch jede Menge Spaß haben … ich bin froh solche Kollegen und Freunde zu haben !

 

Fotos und Impressionen vom Ausflug

Wenn sich an dieser Stelle jemand fragen sollte: „Wo sind die ganzen Fotos?“ … dann einfach Text richtig lesen und dann erklärt sich, warum niemand zur Kamera greifen wollte oder gar konnte … 😉

 

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