Navigieren / suchen

Turangi, Tongariro & der Schicksalsberg

Einem kann man in Neuseeland nicht ausweichen bzw. begegnet man immer wieder: das sind die Drehorte zur Trilogie „Der Herr der Ringe“. Ungeplant führte meine Wandertour durch den Tongariro Nationalpark am Mt. Ngauruhoe vorbei. Schon beim ersten Anblick ist einem klar, das ist der Schicksalsberg (im englischen Original: Mt. Doom).

Wir starteten aus unserem Hostel in Turangi bereits 05:00 Uhr … früh, verdammt früh. Das mit der Organisation eines Shuttles vom Hostel zum Startpunkt der Tour wurde vom Hostel gemacht. Eigentlich wollte ich eine der angebotenen Shuttleservices nutzen – jedoch meinte man hier im Hostel das sei viel zu teuer und man kann sich doch mit anderen zusammen tun. Recht haben sie ! Immerhin hätte es 40 NZD gekostet. Zunächst hieß es der Typ vom Hostel fährt mich gegen 6:30 Uhr hin. Kurz darauf war die Info, dass Bob (ein mir unbekannter Amerikaner) eine 2 Tagestour machen will, ob ich da nicht mit will. Ich lehnte ab, da ich am kommenden Tag weiter nach Wellington wollte. Als ich erwähnte häufiger wandern zu gehen im alpinen Gebirge wurde mir nahe gelegt die Zweitagestour einfach an einem Tag zu machen. Warum auch nicht – 10 Stunden wandern im mir zwar unbekannten, aber nicht so anspruchsvollen Gebiet. Gut, stellte ich mich drauf ein. Es dauerte keine Stunde, dann kam die nächste und letzte Planänderung: ein Mädel mit Auto fährt und nimmt mich mit. Sie startet bereits 5 Uhr, aber das sei sicher kein Problem für mich. „NEIN“ antwortete ich natürlich und dachte innerlich: was für’n Sch…

Das Aufstehen hat dann erstaunlich gut geklappt. 10 vor 5 in der Küche waren wir dann drei Personen: das Mädel mit Auto, ein verwirrt wirkender älterer Mann (ca. 70 Jahre) und ich. Na das kann ja was geben. Frühstücken fiel bei mir wie jeden Morgen aus und somit war ich auch pünktlich abfahrbereit. Während der Fahrt stellte sich dann heraus, dass Maggi (wie verdammt viele hier) aus Deutschland kam und der verwirrt wirkende ältere Mann wirklich etwas verwirrt war, Roger hieß, aus dem französisch sprechenden Teil von Kanada kommt und ein verdammt undeutliches Englisch sprach. Die Fahrt zum Startpunkt war lang, aber klappte bis auf unsere Vorbeifahrt an der eigentlichen Abfahrt ganz gut. Angekommen am Parkplatz stellten wir fest, dass der frühe Start sich gelohnt hat. Es passen nämlich nur ca. 60 Fahrzeuge hin und ungefähr die Hälfte war bereits besetzt. Es war stockfinster draußen und ar…kalt.

Aufstieg zum Mt. Tongariro in den frühen Morgenstunden
Aufstieg zum Mt. Tongariro in den frühen Morgenstunden

Mit meiner Stirnlampe ging es dann trotz Dunkelheit und Kälte los. Ich war hin und her gerissen, ob ich mich gleich davon machen und Maggi mit Roger alleine lassen sollte. Immerhin wollte die beide wieder zum Parkplatz zurück und ich auf die andere Seite des Berges und von der per Anhalter zum Hostel und dann waren sie für mein Wandertempo doch etwas zu langsam. Dagegen mich einfach so aus der Spur zu machen sprach mein Anstand und die Überlegung, dass wenn was passiert, Maggi mit Roger alleine nicht zurecht kommen würde. Immerhin hatte ich ja Zeit. Wir sind gegen 6 Uhr gestartet, der Aufstieg war mit ca. 3,5h angegeben und selbst wenn wir 6h brauchen würden, könnte ich ab Mittag dann die 4h Abstieg in Angriff nehmen. Also haben wir zusammen den Aufstieg gemeistert. Roger wirkt zwar etwas verwirrt, war aber für sein Alter erstaunlich fit und es gab sehr häufig Situationen zum Schmunzeln und Lachen. Also doch nicht so verkehrt gemeinsam gegangen zu sein 😉

Mt. Ngauruhoe im Tongariro Nationalpark (Neuseeland)
Mt. Ngauruhoe im Tongariro Nationalpark (Neuseeland)

Der Weg führte zwischen dem Mt. Ngauruhoe (so heißt der Schicksalsberg wirklich) und Mt. Tongariro entlang und war größtenteils sehr einfach und vor allem sehr gut präpariert. Man merkte, dass hier pro Tag schon mal bis zu 500 Menschen entlang gehen. Wer die Ruhe sucht ist hier jedenfalls absolut verkehrt. Wer allerdings einen schönen Ausblick haben, schon immer mal ein Vulkan besteigen und schönen Wandertag verbringen möchte ist hier genau richtig. Für viele ist die Endstation oberhalb vom Blue Lake, einem schönen Bergsee.

Kurz vorm Ziel wurde es aber noch mal fies. Der Aufstieg war steil und Bestand fast ausschließlich aus Lavageröll. Nicht einfach zu laufen und meiner Meinung nach zu schwierig für Roger. Immerhin musste er und Maggi hier wieder runter und ich konnte mir nicht vorstellen, wie das gehen sollte. Ich habe ihm versucht zu erklären, dass es zu gefährlich sei und er hier nie runter kommen wird. Er hat dann gesagt er macht eine Pause und läuft langsam runter. Wohl war mir dabei zwar nicht, aber immerhin hat er schon 70 Jahre ohne unsere Hilfe das Leben gemeistert und dann waren so viele Leute hier auf dem Weg, dass eigentlich nichts passieren konnte. Also ging es für uns zwei alleine weiter hinauf.

Inzwischen hatten wir ein Schweizer Paar kennengelernt; Yvonne und Lukas. Wir haben dann die erste und nach dem Aufstieg zum Mt. Tongariro die zweite längere Pause mit beiden verbracht. Die Landschaft und Aussicht ist hier wirklich traumhaft. Mit dem Blick auf den Vulkan, um einen herum dunkles Lavagestein und immer wieder die aus „Der Herr der Ringe“ bekannten Stellen.

Nachdem die Gesellschaft nun sehr angenehm war, beschloss ich auch anstatt alleine 4h auf der anderen Seite des Berges abzusteigen und dann per Anhalter zurück zu fahren doch mit den anderen drein hinunter zum Parkplatz zu laufen und mit Maggi wieder ins Hostel zurück zu fahren. Irgendwo auf dem Weg sollten wir auch auf Roger treffen. Lukas und ich sind vor – die Mädels hinterher. Auf dem ganzen Weg war jedoch kein Roger zu sehen. Leider auch nicht auf dem Parkplatz. Handynummern hatten wir zwar ausgetauscht, aber leider keinen Empfang. Nun gut – wo soll er hin sein. Ist sicher mit anderen nach Turangi zurück.

Schöner Ausklang in netter Gesellschaft und mit einem Corana-Bier (inkl. Limette)
Schöner Ausklang in netter Gesellschaft und mit einem Corana-Bier (inkl. Limette)

Wir haben es uns dann noch gemütlich gemacht. Yvonne und Lukas waren mit einem kleinen Caravan unterwegs und hatten leicht gekühltes Corona Bier – und der Hammer: sogar Limettenstückchen – gesponsort … was für ein genialer Ausklang !!!

Wir saßen gefühlte 30 Minuten (tatsächlich schon mehr als 90 Minuten) am Parkplatz und dann tauchte plötzlich Roger auf. Keine Ahnung wo er her kam und was er gemacht hat. Verstanden haben wir nichts. Wir haben vermutet, dass er doch noch aufgestiegen und dann langsam wieder abgestiegen ist. Eine andere Erklärung hatten wir nicht. Maggi, Roger und ich sind dann wieder zurück ins Hostel, hatten hier noch jeder sein mehr oder weniger kreatives und leckeres Abendessen und nette Unterhaltung mit anderen im Hostel.

Yvonne und Lukas sind weiter Richtung Norden gefahren. Sie haben nur noch ein paar Tage hier in Neuseeland und lassen dann mit 1 Woche Thailand ihren Urlaub ausklingen. Maggi wurde mit einem Finnen für die Weiterfahrt verkuppelt und sie sind gestern Richtung New Plymouth gestartet. Ich wünsche einen noch einen tollen Urlaub – war ein sehr schöner Tag gestern mit Euch im Tongariro Nationalpark ! Für mich ging es weiter nach Wellington, wo ich nun zwei oder drei Tage verbringen werde.

 

Weitere Artikel von Neuseeland

Kommentare

Schwesterherz
Antworten

Wie schaffst du’s nur immer so schöne Sprungmotive aufzunehmen?

Tino
Antworten

Normalerweise mit Selbstauslöser und Serienfotos – klappt eigentlich ganz gut. Hier im Tongariro Nationalpark hatte Maggi die Fotos gemacht und direkt beim ersten Versuch hatte es geklappt. Die Leute gucken aber immer etwas komisch, wenn man vor der Kamera herum springt (weil man manchmal doch mehrere Versuche braucht) … aber mich kennt ja keiner 😉

Marion
Antworten

Hallo Tino, bei der Häufigkeit der Sprünge und der Vielzahl deiner Fans wird das wohl zu deinem Markenzeichen werden. Die Perfektion der Sprünge wird sich immer besser ausprägen.

Tino
Antworten

Naja, schaun wir mal. So viele sind es ja noch nicht … aber wenn es noch ein paar mehr aus unterschiedlichen Ländern werde ich neben der Galerie „Puffbohne on Tour“ auch noch eine Galerie „Jumping around the world“ aufmachen 😉

Dirk
Antworten

Na, soo schlimm ist es mit dem 5:00 aufstehen ja nun wirklich nicht ;-). Und vor allem wenn man in NZ wandern kann statt 1,5h nach Stuttgart fahren zu müssen 😉 …

Tino
Antworten

Das stimmt ! Einen Vulkan zu besteigen ist auch etwas anderes als in den 4. Stock mit dem Fahrstuhl zu fahren 😉

Hinterlasse einen Kommentar

Name*

E-Mail* (wird nicht veröffentlicht)

Webseite

Folge mir auf Facebook !schliessen
oeffnen